Und wenn schon…

 Kann man überhaupt noch von Kabarett sprechen, wenn die musikalisch dargebotenen Themen so sehr unter die Haut gehen, dass sie dazu anregen intensiv über sich selbst nachzudenken? Liese-Lotte Lübke öffnet die Schubladen in unseren Köpfen und Herzen, studiert ihren Inhalt schmerzhaft gründlich, arbeitet sich bis in den allerletzten Winkel vor, kippt uns den verstaubten Kern mancher, die wir jahrelang mühsam mit viel Gerümpel zugestellt haben schonungslos direkt vor unsere Füße und bringt einige darin tief vergrabene Erbstücke zurück ans Licht.

Sie tut alles, nur nicht das was wir vorher vielleicht von ihr erwarten, spricht gesellschaftliche Tabu-Themen an die unter die Haut gehen und wir merken meist erst später, dass sie das ein oder andere Lied im Grunde genau für uns geschrieben hat. „Selten hat ein so unterhaltsam dargebrachter, tiefgründiger Abend, der den oft verdrängten täglichen Erlebnissen voll entsprach, so nachhaltige Wirkung bei mir hinterlassen“, heißt es in nur einem von vielen O-tönen seitens Lübkes Publikums.

Ein Abend voll Politik des Privaten, voll frechen Humors und ganz auf der Suche nach der Verantwortung bei uns selbst. Lassen wir uns auf dies Abenteuer des Entrümpelns ein, finden wir in einer Schublade in der wir schon zwanzig mal nachgesehen haben, jetzt vielleicht endlich auch manch lang vermissten Schatz wieder. Was immer Sie zurückhält – grüßen Sie es von Liese-Lotte Lübke, nehmen Sie es an die Hand, gehen Sie trotzdem los und sagen Sie ihm „und wenn schon…“.